„Wir müssen Kindern beibringen, dass sie nicht alles glauben können, was sie sehen.“
Die Einführung digitaler Geräte im Vorschulbereich – und für die Erzieherinnen und Erzieher – erfordert oft eine engagierte Person wie die pädagogische IT-Spezialistin Franziska Kläui. Der Einsatz von iPads zur Bereicherung des Unterrichts bietet zudem die Möglichkeit, die Medienkompetenz von Lehrkräften und Kindern gleichermaßen zu verbessern.
Caroline Smrstik Gentner: Why did you decide to create a digital project specifically for preschoolers?
Franziska Kläui: In der Schweiz haben Lehrkräfte der höheren Grundschulklassen (5. oder 6. Klasse) Fortbildungen absolviert, um Medienkompetenz zu vermitteln und digitale Lerntechnologien im Unterricht einzusetzen. An unserer Schule hingegen erhielten lediglich die Erzieherinnen und Erzieher im Vorschulbereich die elektronischen Geräte: Jede Klasse bekam zwei iPads und im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen einige grundlegende Informationen. Ich war der Ansicht, dass konkrete Anregungen hilfreich wären und wollte die Lehrkräfte mit der Idee vertraut machen, iPads sinnvoll für die Arbeit mit den Kindern einzusetzen.
Eveline Hipeli, a professor of education and social sciences in Zurich, wrote eine Reihe von Büchern Die Serie handelt von Ulla, der Eule, und ihren Freunden Peter und Anna und erzählt Geschichten über altersgerechte Mediennutzung, Lesen lernen, Werbung und andere Medienthemen. Sie inspirierte mich zur Entwicklung von Aktivitäten, die iPads auf fantasievolle Weise einsetzen und gleichzeitig auf spielerische Weise die Medienkompetenz von Kindern fördern.
Ich habe den zweiten Band der Reihe, „Peter und der Traum“, ausgewählt, da er in unserer Schulbibliothek vorhanden ist. Ich habe einige der Anregungen des Autors zur Arbeit mit dem Buch erweitert und eine Box mit sofort einsetzbaren Materialien zusammengestellt, die in der Lehrerbibliothek ausgeliehen werden können. Anschließend habe ich mehrere Klassen besucht, um das Programm mit ihnen durchzuspielen. Da die Lehrkräfte es nun kennen, nutzen sie es selbst, und über mein Netzwerk von IT-Fachkräften im Bildungsbereich haben auch andere Schulen Interesse bekundet.
CSG: Die Geschichte in „Peter und der Traum“, in der ein Junge von etwas heimgesucht wird, das er auf seinem Tablet gesehen hat, handelt von Angst und starken Gefühlen. Wie kann man kleinen Kindern helfen zu verstehen, dass nicht alles, was auf einem Bildschirm zu sehen ist, real ist?
FK: Moving images do make stories seem very real, and the children can be genuinely frightened. But in today’s world, it’s important to address these topics and let children know that they shouldn’t believe everything they see.
Wenn wir ein Video vor einem Greenscreen drehen, lernen sie, dass man mit einem Foto von einem Strand oder einem Tiger im Dschungel relativ einfach mit einem iPad eine Illusion erzeugen kann. Am Ende sieht es so aus, als wären sie tatsächlich am Strand gewesen oder hätten einen Tiger gestreichelt. Sobald sie sehen, wie andere mit Tricks den Zuschauer täuschen, betrachten sie Dinge kritischer.
“Teachers have to see their roles differently and begin to learn alongside their students, rather than upholding the status of the expert who knows everything.”
CSG: There’s a lot of disagreement about the balance of play and learning in preschool, with both teachers and parents having very strong opinions about the use of technology. How has your program been received?
FK: Viele sind der Meinung, dass kleine Kinder nur mit Bauklötzen und Legosteinen spielen sollten – also mit Dingen, die sie in den Händen halten können. Ich stimme vollkommen zu, dass dies wichtig ist, aber schließlich gibt es digitale Geräte, die Kinder ungemein faszinieren. Unser Ziel ist es, ihnen einen vernünftigen und kritischen Umgang mit digitalen Geräten beizubringen. Und da die Kinder aktiv mit den Tablets arbeiten, anstatt nur passiv Inhalte zu konsumieren, lernen sie auch, dass man mit iPads etwas erschaffen kann.
Introducing digital devices in the school doesn’t always have to be a huge project. We’re trying to show teachers how they can use our program in the context of what they are already doing. An iPad gives them more options than just the traditional pencil and paper.
Wir müssen den Mut haben, etwas Neues zu wagen. Dafür müssen Lehrer ihre Rolle neu definieren und gemeinsam mit ihren Schülern lernen, anstatt den Status des allwissenden Experten aufrechtzuerhalten – was sie ohnehin nie waren.
Fußnoten
Franziska Kläui Sie ist Grundschullehrerin und zuständig für die Unterstützung des IKT-Unterrichts an der Grundschule in Wiesendangen, Schweiz. Ihr Projekt wurde mit dem Spotlight Switzerland Award 2019 ausgezeichnet.
Die Grundschule Wiesendangen unterrichtet 590 Schüler vom Vorschulalter bis zur sechsten Klasse im Kanton Zürich in der Schweiz.
Realität und Fiktion im Kindergarten Dieses Lernprogramm für Vorschulkinder basiert auf einem Kinderbuch über einen Jungen, der sich seiner Angst vor einem Bild auf seinem Tablet stellt. Die Kinder erstellen mithilfe einer Online-Anleitung eine „magische Disc“, die zur Geschichte des Jungen passt, und erleben selbst, wie man mit Greenscreen-Technologie „Magie“ erzeugt. Die begleitenden Gespräche helfen den Kleinsten, zwischen Realität und Fiktion auf dem Bildschirm zu unterscheiden.
Realität und Fiktion im Kindergarten war einer der zehn Schweiz im Fokus Projekte, die auf der HundrED Campus Seminar Am 30. Oktober 2019 in Zürich wurden die prämierten Projekte vorgestellt, die vielversprechende Ansätze für die digitale Transformation an Schulen aufzeigen. Die Initiative ist eine Kooperation der We Are Play Lab Foundation und der Gebert Rüf Stiftung. Jacobs Foundation, Stiftung Mercator Schweiz, Beisheim Stiftung, digitalswitzerland next generation und die Pädagogische Hochschule Zürich.