Sozial-emotionales Lernen in jeden Unterricht einbeziehen
Pädagogen in Kolumbien fördern das soziale und emotionale Wohlbefinden ihrer Schüler.
Henry May von Coschool entwirft eine Zukunftsvision, in der Social und emotional basiert ist. Die Entwicklung von Fähigkeiten und die Förderung der individuellen Talente jedes Kindes sind integrale Bestandteile der Bildung. Henry spricht mit Aisha Schnellmann darüber, wie die Unterstützung von Lehrkräften in Kolumbien bei der Verbesserung der sozial-emotionalen Kompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler Kindern ein optimales Aufwachsen ermöglicht.
Aisha Schnellmann: Was sind die größten Herausforderungen für Kinder weltweit sowie in Lateinamerika?
Henry May: Kinder weltweit, insbesondere in den Regionen, in denen wir bei Coschool tätig sind, stehen weiterhin vor großen Herausforderungen aufgrund mangelnder qualitativ hochwertiger Bildung in verschiedenen Entwicklungsphasen. Die frühkindliche Bildung, vor allem im Alter von 0 bis 5 Jahren, ist entscheidend für die Zukunft der Kinder. Trotz der Fortschritte der letzten 15 bis 20 Jahre ist es jedoch noch ein langer Weg, bis Kleinkinder die Unterstützung erhalten, die sie von qualifizierten und fürsorglichen Erwachsenen benötigen, die sowohl ihr Lernen als auch ihr emotionales Wohlbefinden fördern.
Eine weitere zentrale Hürde weltweit ist die Alphabetisierung. Ohne sie fällt es Kindern schwer, sich aktiv am Schulunterricht zu beteiligen – sie können weder lesen noch verstehen und sich voll einbringen. Ebenso wichtig sind sozial-emotionale Kompetenzen wie Selbstregulation, Selbstachtung und die Fähigkeit zu respektvollem Umgang miteinander. Beziehungen, die Kindern helfen, sich in der Schule zurechtzufinden und Resilienz fürs Leben aufzubauen.
Und es gibt Kinder, die in von Gewalt und Trauma geprägten Umgebungen aufwachsen und oft dauerhafte seelische Narben davontragen. Besonders gefährdete Kinder – darunter Kinder in Ländern, die mit wirtschaftlicher Not, Arbeitslosigkeit und Mangelernährung zu kämpfen haben – sind noch stärker betroffen. In Lateinamerika beispielsweise kann Bildung Kindern aufgrund hoher Ungleichheit und unterfinanzierter öffentlicher Schulen oft nicht helfen, der Armut zu entkommen, und ihre seelischen Bedürfnisse werden nicht erfüllt.
WIE: Was brauchen Kinder, um sich optimal zu entwickeln?
HM: Kinder brauchen Erwachsene, die fürsorglich und unterstützend sind und gleichzeitig hohe Erwartungen an sie stellen. Sie profitieren von Erwachsenen, die positiv auf ihr Leben wirken und ihnen Orientierung, Erfahrung und Hilfsmittel für ihre Entwicklung bieten.
Kinder brauchen Freundschaften und gesunde Beziehungen zu Gleichaltrigen. Vielfältige Angebote sind ebenfalls unerlässlich, darunter die Möglichkeit, neue Umgebungen zu erkunden, Zeit in der Natur zu verbringen und die eigene Komfortzone zu verlassen.
Darüber hinaus ist es für Kinder von entscheidender Bedeutung, Selbstmanagementfähigkeiten zu entwickeln, darunter die Fähigkeit, ihre Emotionen zu regulieren, vernünftige Entscheidungen zu treffen und Mut aufzubauen – Fähigkeiten, die im Laufe der Zeit erlernt werden können.
„Kinder brauchen Erwachsene, die fürsorglich und unterstützend sind und gleichzeitig hohe Erwartungen an sie stellen.“
WIE: Wie funktioniert Coschool? Wie kann man die Lern- und Entwicklungsprozesse von Kindern in Kolumbien fördern?
HM: Wir bei Coschool sind überzeugt, dass Lehrkräfte das Leben eines Kindes maßgeblich beeinflussen können, insbesondere wenn Kindern zu Hause unterstützende Erwachsene fehlen. Deshalb legen wir großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften. Motivierte Lehrkräfte mit fundierten Fachkenntnissen und guter psychischer Gesundheit können die Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler optimal fördern.
Da Lehrkräfte einen so tiefgreifenden Einfluss haben, legen wir auch großen Wert auf die Zusammenarbeit mit Schulleitungen. Eine einzelne Schulleitung kann viele Lehrkräfte positiv beeinflussen, und jede Lehrkraft kann unzählige Schülerinnen und Schüler prägen. In unserem Programm GEPRÜFTWir arbeiten mit Schulleitungsteams zusammen, die sich darauf konzentrieren, Schülerinnen und Schüler durch sozial-emotionales Lernen und Charakterbildung zu fördern. Wir schulen sowohl Schulleitungen als auch Lehrkräfte und zeigen ihnen, wie sie die entsprechenden Prinzipien gezielt in ihren Unterricht integrieren können.
„Lehrer können das Leben eines Kindes maßgeblich verändern, insbesondere wenn es den Kindern zu Hause an unterstützenden Erwachsenen mangelt.“
WIE: Was haben Sie bei dieser Arbeit gelernt und was hat Sie inspiriert?
HM: Ich habe gelernt, dass Erwachsene von ihrer Kindheit und ihren Lebenserfahrungen geprägt werden. Die Verantwortung für die Entwicklung von Kindern liegt bei den Erwachsenen, und ohne ein gewisses Maß an Selbstreflexion sind sinnvolle Veränderungen im Bildungswesen schwierig. Die wirkungsvollsten Lehrkräfte und Pädagogen sind diejenigen, die kontinuierlich an ihrer Selbstreflexion arbeiten und dabei immer mehr über sich selbst lernen und entdecken. Manche Schulleiter haben beispielsweise Kindheitstraumata erlebt, und wenn diese Traumata unbehandelt bleiben, können sie ihre Führungsqualitäten beeinträchtigen und sich auf ihr Team, die Lehrkräfte und letztendlich auch auf die Schüler auswirken.
Ich bin begeistert von der wachsenden Anerkennung und dem zunehmenden Verständnis für die Bedeutung von sozial-emotionalem Lernen und Charakterbildung. Wir haben in Kolumbien eine nationale Partnerschaft für sozial-emotionales Lernen ins Leben gerufen. (AFSEC)Mit über 60 aktiven Mitgliedsorganisationen. So viele engagierte Verbündete und Partner zu entdecken, die sich dieser Arbeit verschrieben haben, war sowohl inspirierend als auch ermutigend.
WIE: Welche Vision haben Sie für die Kinder der Zukunft?
HM: Meine Vision für Kinder ist eine Zukunft, in der die Entwicklung sozialer und emotionaler Kompetenzen sowie die Förderung der individuellen Fähigkeiten jedes Kindes selbstverständliche Bestandteile der Bildung sind – wodurch Organisationen wie Coschool überflüssig werden. Ich stelle mir Kinder vor, die in sicheren, unterstützenden Umgebungen aufwachsen und die Freiheit und die Ressourcen haben, ihr volles Potenzial zu entfalten. Ich wünsche mir, dass Kinder zu Individuen und Mitgliedern der Gemeinschaft heranwachsen, die sich aufrichtig umeinander kümmern und so eine Gesellschaft fördern, die das Gemeinwohl und die persönliche Entwicklung wertschätzt.
Fußnoten
Henry May ist CEO von Coschool, einer der führenden kolumbianischen Organisationen für soziales und emotionales Lernen, und ein anerkannter Sozialunternehmer und Pädagoge. Als Gründer von Coschool und der Huracan Foundation hat er durch seine Arbeit das Leben von über 55,000 Menschen in 30 Ländern positiv beeinflusst. Henry ist TEDx-Redner, wurde als „Global Meaningful Business Leader 2021“ ausgezeichnet und hat sich durch sein Engagement für die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Schulen einen Namen gemacht. Unter seiner Führung hat Coschool weltweit Anerkennung für seine innovativen Bildungsansätze erlangt. Henry lebt in Bogotá und verbringt seine Freizeit mit Ultramarathonläufen.
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Coschool ist Finalist für den Klaus J. Jacobs Award 2024. Auszeichnungen für bewährte Verfahren, die Institutionen und Einzelpersonen auszeichnen, die daran arbeiten, evidenzbasierte Lösungen zur Förderung der kindlichen Entwicklung und des Lernens in der Praxis umzusetzen.
Dieses Interview wurde aus Gründen der Übersichtlichkeit bearbeitet.