Über die Stärken, die Menschen in schwierigen Umgebungen entwickeln, ist wenig bekannt. Wenn wir mehr über diese Stärken erfahren, können wir sie in der Bildung, am Arbeitsplatz und bei Interventionsmaßnahmen gezielter einsetzen.

Aufwachsen unter Widrigkeiten kann die Entwicklung und das Lernen von Kindern beeinträchtigen.  Die wissenschaftliche Forschung hat aufgezeigt Diese schädlichen Auswirkungen haben zu Erkenntnissen geführt, die wiederum die Entwicklung von Strategien und Maßnahmen zur Vorbeugung und Behebung von Defiziten beeinflusst haben.

Allerdings wissen wir sehr wenig über die adaptive mentale Fähigkeiten und Fertigkeiten dass sich Menschen in rauen Umgebungen entwickeln. Dementsprechend fehlt uns eine empirische Grundlage für Gestaltung von Strategien und Interventionen die diese „verborgenen Talente“ nutzen.

Diese Forschungslücke bietet eine entscheidende Chance und einen wichtigen Handlungsrahmen für die Zukunft: Wir müssen die mentalen Fähigkeiten und Fertigkeiten identifizieren, die durch Stressbelastung gestärkt werden. Diese Fähigkeiten könnten als Grundlage für Erfolg dienen und gleichzeitig das Selbstvertrauen und die Motivation von Jugendlichen und Erwachsenen stärken, die unter Stigmatisierung und schwierigen Lebensumständen leiden.

Die Identifizierung dieser Fähigkeiten und Fertigkeiten könnte zur Entwicklung eines Testverfahrens führen, das die „verborgenen Talente“ von stressangepassten Personen erfasst. Ein solches Testverfahren, das erste seiner Art, könnte dann eingesetzt werden, um diese Personen durch Bildung, Beschäftigung und Fördermaßnahmen zu unterstützen. Doch zunächst benötigen wir fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse.

Mit unserer aktuellen Forschung legen wir den Grundstein für einen Ansatz zur Erforschung „verborgener Talente“. Wir gewinnen durch sozial- und kognitionswissenschaftliche Studien an Menschen, anderen Primaten, Vögeln und Nagetieren neue Erkenntnisse über das ungenutzte Potenzial stressangepasster Individuen. Vier Fragen können die Forschung zu verborgenen Talenten leiten:

  1. Welchen Herausforderungen begegnen Menschen in einer bestimmten Umgebung?
  2. Welche mentalen Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickeln sie, um solche Herausforderungen zu bewältigen?
  3. Welche Instrumente eignen sich am besten zur Messung dieser Fähigkeiten und Fertigkeiten?
  4. Wie könnten wir diese Fähigkeiten und Fertigkeiten nutzen?

Zur Veranschaulichung: Wenn die Wahrnehmung des sozialen Status für Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen eine hohe Bedeutung hat, können diese Personen möglicherweise besser über soziale Dominanz als über abstrakte Konzepte (z. B. Symbole, Zahlen) argumentieren. Diese ausgeprägten Fähigkeiten können in Lehr- und Fördermaßnahmen genutzt werden.

Junge Menschen können mentale Operationen (z. B. transitives Schließen, Syllogismen) im Kontext von Problemen der sozialen Dominanz erlernen, da sie diese möglicherweise als relevanter, motivierender und ansprechender empfinden als andere Problemtypen. Sobald sie diese Operationen in diesem anwendungsbezogeneren Kontext beherrschen, können sie lernen, sie auf andere Kontexte zu übertragen. Dies wiederum kann dazu beitragen, Bildungsungleichheiten zu verringern.

„Wir müssen die mentalen Fähigkeiten und Fertigkeiten identifizieren, die durch Stressbelastung gestärkt werden. Diese Fähigkeiten könnten als Bausteine ​​für den Erfolg dienen.“

Es ist sinnvoll, experimentelle Forschung durch strukturierte Interviews mit jungen Menschen in stark belastenden Lebensumständen und mit ihren Bezugspersonen (z. B. Pädagogen und Sozialarbeitern) zu ergänzen. Diese Interviews, die wertvolle Einblicke in das Leben und die Alltagserfahrungen der Befragten liefern können, sollten von Experten für qualitative Forschung durchgeführt werden. Sie tragen dazu bei, Hypothesen zu generieren, die wiederum Anregungen für experimentelle Forschung liefern können.

In den kommenden Jahren wird mein Mitarbeiter Bruce Ellis Ich beabsichtige zu untersuchen, wie Lernumgebungen für stressangepasste Jugendliche optimiert werden können. Insbesondere möchten wir Variationen in folgenden Bereichen erforschen: Lehrplaninhalte (z. B. abstrakt vs. sozial), Informationsübermittlung (z. B. statische Bücher vs. dynamische Touchscreens) und Unterrichtspraktiken (z. B. Sitzen vs. Herumlaufen im Klassenzimmer). Wir planen, diese Arbeit in Zusammenarbeit mit der/dem [Name der Person/Organisation] zu entwickeln. Forschungsnetzwerk zu Anpassungen an kindlichen Stress.

Der Ansatz der „verborgenen Talente“ hat weitreichende soziale Implikationen: Je besser wir stressangepasste Psyche, Körper und Gehirn – einschließlich ihrer Stärken – verstehen, desto besser können wir Bildung, Arbeitsplätze und Interventionen auf die Bedürfnisse und Potenziale der betroffenen Personen zuschneiden.